… und eins von Motorola

Im Rahmen der Mailänder Telekommunikationsmesse SMAU trafen wir auf Christian De Lange (Marketingdirektor) und Giancarlo Arangath (Technology Manager) bei Motorola Italien. Während man bei Motorola auf die dritte Generation der Mobiltelefonie, das UMTS, wartet, setzt man auf GPRS.

GSMBOX: Lassen Sie uns von UMTS sprechen. Wir wissen, dass es mit einiger Verzögerung eingeführt wird. Je nach Quelle ist von sechs bis zwölf Monaten die Rede. Ist diese Annahme richtig? Wie weit ist man mit dem UMTS, besonders im Hinblick auf die Netze und die Endgeräte?

Giancarlo Arangath: Ich würde nicht wirklich von einer Verzögerung sprechen, was UMTS betrifft. Wir sollten an dieser Stelle nicht von den Diensten sprechen, denn das betrifft die Betreiber. Ich möchte hier jedoch unterstreichen, dass es ein Abkommen mit dem Betreiber H3G gibt, in dem sich dieser Betreiber verpflichtet hat, bis Ende des kommenden Jahres die Dienste im UMTS zu starten. Es stimmt also, dass Sie von einer Verzögerung sprechen (vor zwei Jahren haben wir noch von 2001 als Startpunkt der dritten Mobiltelefongenertaion gesprochen). Eine Verzögerung, die vor allem auf die verspätete Einführung des GPRS zurückzuführen ist, doch die Endgeräte stehen derzeit bereits parat. Wir sehen sie noch nicht. Aber glauben Sie mir, sie sind da. Wir befinden uns derzeit noch in einer Entwicklungsphase. Anfang des kommenden Jahres werden wir dann mit den Tests beginnen. Motorola hat bereits die ersten Gespräche im UMTS realisiert. Und dabei sind wir nicht alleine. Möglicherweise können wir auf der nächsten SMAU, im kommenden Jahr, schon wesentlich mehr sagen. Wir gehen davon aus, dass das erste UMTS-Terminal Motorolas im dritten oder vierten Quartal des kommenden Jahres zur Verfügung stehen wird. Auf der nächsten SMAU werden Sie also sicherlich etwas zu sehen bekommen.

Dann werden wir selbstverständlich erst einmal mit ganz bestimmten Kundenkreisen zu arbeiten beginnen. Es ist klar, dass UMTS nicht umgehend allen zur Verfügung stehen wird. Im kommenden Sommer wird man bereits davon reden und zur SMAU werden wir die ersten konkreten Lösungen entdecken können.

GSMBOX: Werden wir also schon etwas in Hannover im kommenden Februar auf der CeBIT zu sehen bekommen?

Arangath: Die CeBIT ist sicherlich eine der wichtigsten Messen im Bereich der Telekommunikation. Doch auf die UMTS-Terminals muss man wahrscheinlich bis Ende des kommenden Jahres warten. Bis zur SMAU….. Was hingegen die neuen Dienste betrifft, da werden wir sicherlich schon neue MMS-Anwendungen präsentiert bekommen. Aber auch Bluetooth wird in neuen Terminals integriert sein. Also all die Anwendungen, von denen derzeit die Rede ist. Es ist jedoch noch schwierig genau vorherzusagen, was in den Terminals integriert sein wird und wie die ersten Services aussehen werden. Eines hingegen ist sicher: die Masse der User muss sich noch ein wenig gedulden.

Christian De Lange: Dies hängt auch sicherlich ganz eng mit den Preisen zusammen.

Arangath: Und zu Beginn wird auch keinesfalls das gesamte Staatsgebiet mit eime UMTS-Netz abgedeckt werden können. Das bedeutet, dass man einen Schritt zurück macht. Wie es der Fall war als man die GSM-Netze startete. Nach und nach wird man dann die Abdeckung ausweiten.

Es ist klar, dass die User die ein Terminal besitzen und sich aus der UMTS-Zone herausbewegen, von den Betreibern verlangen werden, dass sie immer und überall ihre Services in Anspruch nehmen können. Dies wird sicherlich gewährleistet werden, indem man die GPRS-Dienste in das UMTS integriert. Wir sollten GPRS auf keinen Fall unterbewerten. Bis Ende des kommenden Jahres wird GPRS derart ausgebaut sein, dass man, wenn nicht Dienste auf 3G-Niveau, so doch Services auf einem sehr hohen Level nutzen kann. Bereits heute erreichten wir im GPRS-Netz Übertragungsgeschwindigkeiten von 30 bis 40 KBps. Hier kann man eine ganze Reihe an interessanten Diensten anbieten, die auch im UMTS laufen werden.

GSMBOX: Was können wir uns in den kommenden Monaten erwarten? Welchen Trumpf hat man bei Motorola im Ärmel? Auch hinsichtlich GPRS…

Arangath: Technisch gesehen sind wir bereits weit fortgeschritten. Wir bieten Terminals mit 4+1 GPRS. Das ist für uns bereits ein wichtiger Schritt. Wir können rein theoretisch noch weitergehen. Doch dies ist auch eine Frage der Kosten. Wir wären in der Lage ein Terminal mit 8+8 zu entwickeln. Doch die Kosten eines derartigen Terminals würden in keiner Weise der aktuellen Nachfrage entsprechen. Und nennen Sie mir doch einen Betreiber, der dazu bereit wäre acht Slots im Download anzubieten! Auf dem Papier können wir bereits Produkte entwickeln, die in der Realität keinen Sinn machen würden. 4+1 bietet derzeit bereits eine ganze Menge. Nun geht es darum, dass man die entsprechenden Dienste an Bord der GPRS-Terminals bringt. Sicherlich spielen hier die so genannten m-Services eine große Rolle und später dann MMS. Alles hängt hier aber entschieden von der Verfügbarkeit der Terminals mit Farbdisplay ab.

De Lange: Das stimmt. Es geht um Farbdisplays. Farbe auf den Terminals könnte einer der großen Neuheiten im kommenden Jahr sein. Und dabei ist dies nur der erste Schritt. Ein Zwischenschritt könnten zum Beispiel Displays darstellen, die verschiedene Graustufen visualisieren (unser Accompli ist hier einer der Vorreiter). Später kommt man dann Schritt für Schritt zum Farbdisplay.

GSMBOX: Doch Farbdisplays hängen ernorm von den Batterieleistungen ab. Ein Farbdisply verbraucht wesentlich mehr Energie als die Displays die wir heute kennen. Wie könnten hier die Lösungen aussehen?

Arangath: Das ist korrekt. Farbdisplays verbrauchen viel Energie. So haben heute etwa PDAs mit Farbdisplays große Probleme mit den Batterieleistungen. Wir sind ständig dabei uns auf diesem Gebiet zu verbessern. Die Terminals von morgen werden auch anders sein als jene die wir bisher kennen. Möglicherweise werden sie uns eher an PDAs erinnern als an herkömmliche Handys. Sicherlich werden sie dann aber kleinere Displays als PDAs besitzen. Das bedeutet dann auch einen geringeren Energieverbrauch. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass die technischen Entwicklungen enorme Fortschritte machen. Ab dem kommenden Jahr wird es Batterien geben, die einem professionellen User den Einsatz seines Terminals über den ganzen Tag hinweg gestatten. Natürlich werden wir dann keine Mini-Terminals nutzen können. Es wird keine Terminals mit großen Displays und Miniaturbatterien geben, die vier Arbeitstage durchhalten. Das ist derzeit noch nicht möglich.

GSMBOX: Wenn wir richtig verstanden haben, dann glaubt man bei Motorola fest an GPRS. Nicht zuletzt meinen wir, dies an den vielen GPRS-Modellen in Ihrem Hause erkennen zu können. Wird Motorola weiter auf GPRS setzen? Besteht nicht die Gefahr, dass die User im GPRS eine Übergangslösung sehen und gleich auf UMTS warten?

De Lange: Ich persönlich glaube, dass GPRS sich zu einem echten Standard entwickeln kann. Alle unsere Produkte basieren auf der GPRS-Technologie. Und wir werden diesen Weg weiterverfolgen. 4+1 haben wir bereits realisiert. Das T260 hat uns hier den Weg bereitet. Tatsache ist, dass wir derzeit unsere zweite GPRS-Generation auf einer stabilen Plattform präsentieren. Für uns ist GPRS wie WAP oder eine jede andere Software. Wir werden weiter in GPRS investieren. Motorola glaubt immer an seine eigenen Produkte.

Arangath: Ich denke, dass man derzeit noch viel zu viel von GPRS, WAP oder UMTS spricht. Das sind Dinge, von denen der Endverbraucher eigentlich gar nichts wissen will. Der User möchte funktionierende Dienste angeboten bekommen. Die User erwarten sich Vorteile, Content, von den neuen Technologien.

GSMBOX: Kann GPRS – wenn es richtig eingesetzt wird – zu einer Wiederaufersteheung des WAP beitragen?

De Lange: Da sprechen wir doch schon wieder von Technologie. Ich glaube nicht, dass das Problem in WAP oder GPRS zu suchen ist. Das Problem sind die Dienste, die Inhalte. Wir aus der Branche sprechen selbstverständlich gerne über die Technologien. Über die Leistungen die eine jede Technologie bringen kann. Doch der Endverbraucher will ein konkretes Resultat auf dem Tisch haben. Und die User bringen auch allzugerne die verschiedenen Technologien durcheinander – so zum Beispiel GPRS mit GPS. Das Problem sind die angebotenen Dienste.

GSMBOX: Wie wichtig ist Entertainment? Vor allem wenn es in Mobiltelefone integriert wird. Zum Beispiel MP3-Player oder UKW-Radios….

De Lange: Warum nicht? Um die Telefone herum entsteht ja eine ganze Welt der verschiedensten Anwendungen. Radio, MP3-Player und so weiter… Die Entscheidungen, was in die Handys integriert wird, hängen von den einzelnen Unternehmensstrategien der Hersteller ab. Aufgrund der enormen Handypenetration die wir mittlerweile erreicht haben, müssen wir das Angebot differenzieren. Wir sind für alles offen.

Quelle: GSM-Box

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