Schalker Fan “legende” verstorben

“Tamm, tamm, tatatamm, tatatatamm – Schalke!” Jeder Paukenschlag unterstützt von unzähligen Händen, am Ende der Taktfolge der anfeuernde Schrei aus zigtausend Kehlen: Nordkurven-Atmosphähre im Parkstadion. Für viele ein zweites Zuhause, für einen auch ein bisschen Arbeitszimmer: “Olly” Olschewski heißt der Mann, der für Schalke auf die Pauke haut. Doch unter diesem Namen kennt ihn in Block 5 so gut wie niemand. Hier heißt er nur “Catweazle”. Seinen Spitznamen verdankt der Trommler mit den langen Haaren und dem Vollbart der (nicht nur) äußeren Ähnlichkeit mit der Hauptfigur einer englischen TV-Kinderserie. Im Fernsehen ist “Catweazle” ein Magier, der aus dem Mittelalter ins 20. Jahrhundert versetzt wurde – auf Schalke zaubert er Stimmung ins Parkstadion.
Das Zeichen zum Loslegen ist für ihn der Ruf “Catweazle auf den Mast!” Wenn die Fans ihn so fordern, dann klettert Olly auf den Wellenbrecher, lehnt sich an den Lautsprecher-Mast und trommelt die Menge und damit auch die Mannschaft nach vorne. Neunzig Minuten können da ganz schön lang und die Arme ganz schön lahm werden. Olly gibt ehrlich zu: “Manchmal habe ich auch kein Bock da hoch zu klettern, aber es geht ja um die Stimmung!”
Und das schon seit gut 15 Jahren. Damals schenkte ihm Frau Gisela zu Weihnachten eine Trommel für stolze 1.200 Mark. “Zu dem Zeitpunkt war tote Hose in der Kurve”, erinnert sich Olly, “das wollte ich ändern.” Doch beim ersten Anlauf ließen ihn die Ordner und Polizisten mit der Trommel erst gar nicht ins Stadion hinein: “Die wollten reingucken, ob ich da irgendwelche Gegenstände drin versteckt hatte.” Olly wurde so lange genervt, bis er eine drastische Methode wählt, um zu beweisen, dass es ihm nur um Stimmung und nicht um Randale ging: “Ich hab´ dann in die Trommel reingetreten, um zu zeigen, dass da nix drin war.” Mit dieser vertrauensbildenden Maßnahme und einer geflickten Pauke brachte Olly erst die Ordnungshüter und dann die Fans hinter sich. “Catweazle” wurde zu einem Markenzeichen der Nordkurve.

Gepackt hat den 50jährigen das Schalke-Fieber aber schon viel früher. Olly, geboren in Essen, aufgewachsen in Gelsenkirchen, weiß sogar noch das Datum: “Es war der 18. Mai 1958!” Jeder Schalke Fan weiß bescheid: Damals holten Berni Klodt, Manni Kreuz und Co. die siebte und seither letzte Deutsche Meisterschaft nach Gelsenkirchen. Und Olly war damals genauso live im Niedersachsenstadion zu Hannover dabei wie 14 Jahre später, als Stan Libuda, Klaus Fichtel und die anderen dort den Pokal gewannen: “Das war mein schönstes Erlebnis mit Schalke!”
Klar, dass “Catweazles” Idole aus diesen Jahren stammen: “Berni, Stan, Heinz van Haaren und Aki Lütkebohmert”, hebt Olly hervor, “das war´n noch welche, die haben gekämpft. Das war für die noch ´ne Ehre, für Schalke zu spielen! Heute, das sieht man ja an Christensen oder Mihajlovic, steht zu sehr das Geld im Vordergrund.” Doch Olly schert nicht alle aktuellen Profis über einen Kamm – der Nordkurven-Trommler hat natürlich auch in der heutigen Mannschaft seine speziellen Lieblinge: “Vor allem auch Mulder und Nemec! Die tun alle was für ihr Geld – ich muss für meins schließlich auch rennen!”

Und Olly “rennt” für seinen eigenen Laden, einen Second-Hand-Shop. “Ollys Trödel” heißt der (natürlich) und liegt in der Künigsberger Alle in Duisburg. Seine Verkaufsobjekte organisiert der findige Mann auf Trödelmärkten und Versteigerungen. Olly bietet “alles von der Sammeltasse bis zur Meissner-Figur” – aber, bei aller Treue zum Verein, keine Schalke-Souveniers.
Treue zu Schalke ist für Olly keine leere Floskel. Weil er keine Kompromisse machen wollte, wenn´s am Wochenende hieß: “Familie oder Fußball!?” zerbrachen gleich zwei Ehen. “Ich wollte meine Freiheit haben. Außerdem hatte ich den Frauen vorher gesagt: Du heiratest auch einen Teil von Schalke!” Was das ganz praktisch bedeutet, davon hatten die ersten beiden Frauen wohl nicht die richtige Vorstellung: bei Auswärtsspielen wurden auch schon mal Freunde in der Umgebung besucht, wurde aus einem Tag auch schon mal fast eine ganze Woche. Gisela aber, die Olly nach einem Schalke-Spiel kennenlernte, hatte von Anfang an (Beweis: Das tolle Weihnachtsgeschenk) größtes Verständnis für die “Zweit-Beziehung” ihres Mannes.
So bedeutet für Olly “Schalke-Fan sein” nicht nur, mit einem guten Verein Erfolge zu feiern, sondern es geht um eine Entscheidung, die man einmal trifft und zu der man einmal steht – auch in Zeite, wo es nicht so läuft.
Nicht mehr auf Schalke gehen, oder sogar zu einem anderen Klub? Undenkbar! “Das Schlimmste war für mich der erste Abstieg 1981. Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Aber ich würde auch bis in die Kreisliga treu sein. Hier in Duisburg steht der MSV ganz oben. Da bräuchte ich nicht man die Farben zu wechseln und könnte mich in die Kurve stellen. Aber das würde ich nie machen!”
Schließlich gehört “Catweazle” ins Parkstadion, Nordkurve, Block 5: “Tamm, tamm, tatatamm, tatatatamm – Schalke!”

traurig traurig, ein stück schalker – fankultur was da von uns gegangen ist!
Ruhe in Frieden.
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