Harry Potter und der Zauber des Erfolgs

Die Nachrufe könnten herzergreifender nicht sein. Kaum ist in den deutschen Kinos der zweite Teil von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ nach dem gleichnamigen Roman von Joanne K. Rowling und damit der letzte Harry-Potter-Film überhaupt in den Kinos angelaufen, vollzieht die Nation auch schon ein gewaltiges Trauerritual: „Deutschland im Harry-Potter-Fieber“, „Berlin nimmt Abschied: Party für Harry Potter.“, „Aus der Zauber“, „Nie wieder Harry Potter“, „Letzter Harry-Potter-Film: Endstation Unsterblichkeit“, „Bye, bye, du Held der Nuller!“ Wie konnte es zu diesen schmerzbewegten Abschiedsszenen kommen? Wer war, nein, wer ist und bleibt dieser unsterbliche Harry Potter? Und warum ist nun allem Anschein nach endgültig Schluss mit seinem „verzauberhaften“ Erfolg?

Der elfjährige Waisenjunge Harry James Potter lebt bei seiner Tante Petunia Dursley und seinem Onkel Vernon Dursley, die ihm – gemeinsam mit seinem Cousin Dudley – das Leben zur Hölle machen. Wie es heißt, sind Harrys Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er selbst hat dabei nur eine Narbe davongetragen – wie es heißt. Denn als an seinem elften Geburtstag plötzlich Rubeus Hagrid, der Wildhüter und Schlüsselbewahrer von Hogwarts auftaucht und ihm die Einladung in das Internat überbringt, ändert sich sein Leben abrupt.

Hagrid bringt die Wahrheit ans Licht.

Hagrid verkündet ihm nämlich, seine Eltern seien in Wahrheit von dem Schwarzmagier Lord Voldemort ermordet worden. Bei dem Versuch, auch den 15 Monate alten Harry zu töten, sei Voldemorts Todesfluch jedoch von Harry auf ihn selbst zurückgefallen und habe seinen Körper vernichtet. Er – Harry – habe dadurch als einziger überlebt – wenn auch mit einer Narbe. Als Hagrid schließlich auch noch von einer geheimen, magischen Parallelwelt und Harrys eigenen Fähigkeiten als Zauberer erzählt, kommt es, wie es kommen muss: Harry gerät mit Lord Voldemort und dessen Gefolgsleuten, den so genannten Todessern, in eine erste, dramatische Auseinandersetzung.

Harry Potter Band 1 bis 7: Die Wahrheit nimmt ihren Lauf

Die Kette dieser Auseinandersetzungen reißt dann – wie schon die Titel erahnen lassen – 7 Harry-Potter-Bände lang nicht mehr ab:

1. Harry Potter und der Stein der Weisen (erschienen 1997)
2. Harry Potter und die Kammer des Schreckens (erschienen 1998)
3. Harry Potter und der Gefangene von Askaban (erschienen 1999)
4. Harry Potter und der Feuerkelch (erschienen 2000)
5. Harry Potter und der Orden des Phönix (erschienen 2003)
6. Harry Potter und der Halbblutprinz (erschienen 2005)
7. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (erschienen 2007)

Zentrales Thema all dieser Harry-Potter-und-Abenteuer: Lord Voldemort, der nach seinem miss-glückten Angriff auf Harry als geistähnliches Wesen weiterexistiert, versucht immer und immer wieder, seinen verlorenen Körper zurückzugewinnen.

Zweimal gelingt es Harry, diesen Plan zu vereiteln.

Im ersten Band dadurch, dass er Voldemorts Versuch, den „Stein der Weisen“ zu stehlen, erfolgreich durchkreuzt. Im zweiten Band, indem er das in einem Tagebuch versteckte magisches Abbild des 16-jährigen Voldemort vernichtet. Dann aber – im vierten Band – muss der machtlose Harry erleben, wie Voldemort doch noch einen neuen Körper bekommt, seine Gefolgsleute wieder um sich versammelt und Harry wiederholt nach dem Leben trachtet. Der Grund: Wie Harry im fünften Band in einer Prophezeiung über Voldemorts Untergang erfährt, ist er der Einzige, der dessen Macht endgültig brechen kann.

Die Auseinandersetzung treibt ihrem Höhepunkt entgegen.

Nachdem sich im sechsten Band herausstellt, dass Voldemort Teile seiner Seele in Form soge-nannter Horkruxen für die Unsterblichkeit gesichert hat, eskalieren die Konflikte zunehmend und bereiten damit das Finale von Band 7 vor. Dort machen sich Harry, Hermine und Ron auf, um die noch verbliebenen Horkruxe aufzuspüren und zu zerstören. Dabei entgehen sie – weil Voldemort über das Zaubereiministerium inzwischen das ganze Land kontrolliert – mehrfach nur knapp dem Tod. Doch dem – so erfährt Harry in der Schlacht von Hogwarts – könne er letztlich auf keinen Fall entkommen, denn er trage einen Teil von Voldemorts Seele in sich.

Die Prophezeiung geht in Erfüllung.

Als sich Harry seinem Schicksal in Gestalt des dunklen Lords jedoch unbewaffnet stellt, wendet sich plötzlich das Blatt: Voldemorts Seelenfragment in ihm wird vernichtet und Harry überlebt erneut. Nachdem Voldemorts riesige Schlange Nagini – seine siebte und letzte Horkrux – tot ist, kommt es zum entscheidenden Duell zwischen den beiden Kontrahenten. Weil sich Voldemorts Todesfluch dabei jedoch erneut gegen ihn selbst wendet, stirbt er. Harry geht also als Sieger hervor – und die Prophezeiung damit in Erfüllung.

Das abschließenden Kapitel wirft einen Blick 19 Jahre in die Zukunft: Harry und Ginny sowie Ron und Hermine haben geheiratet und ihre Kinder besuchen gemeinsam Hogwarts.

10 Jahre an einem Strang: Das Filmteam bleibt immer das gleiche.

Da jeder Band und damit jeder Film der 7-teiligen Harry-Potter-Serie die Ereignisse eines Schul- bzw. Lebensjahres behandelt, waren sowohl die Leser als auch die Kinobesucher Zeuge von Harrys Entwicklung vom Elfjährigen bis zum fast erwachsenen Teenager. Weil die Verfilmung dieser sieben Lebensjahre aber nicht – wie ursprünglich vorgesehen – nur sieben, sondern 10 Jahre in Anspruch nahm, sind die Hauptdarsteller Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint unter den Augen des faszinierten Publikums inzwischen erwachsen geworden – und das übrige Filmteam 10 Jahre älter. Denn – man höre und staune – mit Ausnahme des 2002 verstorbenen und durch Michael Gambon ersetzten „Dumbledore“ Richard Harris blieb das gesamte Ensemble vom ersten bis zum letzten, Film – dem zweiteiligen „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ – dabei.

Tränen statt Kuss: Das Ende als geniale Pointe.

Weltweit von Millionen Fans mit Herzklopfen erwartet, präsentiert sich dieser Abschluss der Har-ry-Potter-Saga – ganz anders als der elegische siebte Film – eher als Kontrastprogramm. Weil nämlich in der vergleichsweise kurzen Laufzeit von nur 130 Minuten für Abschiedszenen keine Zeit bleibt, serviert Regisseur David Yates die mehr oder weniger lieb gewonnenen Gesichter gleich reihenweise ab. Nicht nur, dass Ralph Fiennes als stinkiger Voldemort zum letzten Mal geradezu infernalisch durchs Getümmel wütet – vor allem für Alan Rickman als dem unheilvollen Lehrer Snape kommt in der Schlusspointe der große Augenblick. Denn nicht der bezaubernde Kuss zwischen Ron und Hermine – Snapes Tränen sind es, die bei diesem Kulturphänomen der Superlative in einer genialen Pointe den würdigen Schlusspunkt setzen.

Aufwändige Dreharbeiten an herausragenden Stätten.

Apropos Kulturphänomen der Superlative: Die mehr als aufwändigen Dreharbeiten für den ersten Harry-Potter-Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ begannen im Oktober 2000 und endeten im April 2001. Für die wichtigsten Hogwarts-Szenen wurden Alnwick Castle und die Kathedrale von Gloucester ausgewählt. Andere Hogwarts-Szenen – darunter Aufnahmen der Flure und Klassenzimmer – wurden in der Durham Cathedral gedreht. Als Drehort für das Hospital diente die Oxford Divinity School, die Herzog Humfrey Bibliothek wurde für Szenen der Hogwarts-Bibliothek benutzt und die Dreharbeiten für den Ligusterweg fanden im Picket Post Close in Bracknell, Berkshire, statt.

Selbst das Kinderarbeits-Gesetz wurde geändert.

Damit die jüngeren Darsteller vom regulären Unterricht freigestellt werden und täglich an den Dreharbeiten teilnehmen konnten, wurde am Set sogar eine Schule eingerichtet. Dadurch war es ihnen möglich, täglich etwa vier Stunden zu drehen und drei Stunden in die Schule zu gehen. Sogar das englische Kinderarbeits-Gesetz wurde für die Dreharbeiten geändert.

„Harry Potter und der Stein der Weisen“ bietet fast 600 Special Effects, bei denen die unter-schiedlichsten Unternehmen eng zusammengearbeitet haben. Industrial Light & Magic hat zum Beispiel das Gesicht von Lord Voldemort auf der Rückseite von Quirrell erstellt, Rhythm & Hues Norbert animiert und Sony Pictures Imageworks die Quidditch-Szenen produziert. Und last but not least: Die Filmmusik hat der US-amerikanische Komponist John Williams geschrieben.

Sieben glanzvolle Bücher. Acht glänzende Filme

Harry Potter ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Inzwischen wurde Joanne K. Rowlings sie-ben Bände weltweit in über 400 Millionen Exemplaren verkauft. Und die 8-teilige Filmserie hat seit ihrem Start 2001 bislang rund 6,4 Milliarden Dollar eingespielt. Betrachten wir dazu als Bei-spiel den ersten Teil von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“: Das Budget für diesen Film lag bei 250 Millionen Dollar. Schon am US-amerikanischen Startwochenende spielte der Film die Hälfte davon wieder ein. Und das Startwochenende in Deutschland brachte sage und schreibe 1.768.932 Besucher auf die Beine.

Und wie geht es weiter?

Bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob Joanne K. Rowling gerade dabei ist, Harry Potter Nr. 8 zu schreiben. Antwort: Nein – leider nicht. Denn sie hat Daniel Radcliffe hoch und heilig versprochen, kein weiteres Buch mehr herauszubringen. Sie wird wissen, warum. Denn wie sollte ein solches Buch nach dem zweiten Teil von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ auch aussehen?

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