Ein Interview mit der Zukunft

Beim Schnüffeln auf einer meiner Lieblingsseiten fand ich ein interessantes Interview zum Thema Zukunft und UMTS:

Am Rande des 3GSM World Congress im französischen Cannes sprachen wir mit Alessandro Fenyves, Chairman der Market Aspects Group (MAG) im UMTS-Forum, der einzigen internationalen Organisation, die sich ausschließlich damit befasst, die Kommunikationssysteme der dritten Generation voranzubringen und in Italien unter anderem Siemens berät. Gemeinsam mit Dr. Fenyves haben wir versucht, ein wenig den aktuellen Zustand des UMTS zu analysieren und wagten einen Rückblick in die Vergangenheit sowie einen Ausblick in die Zukunft.

GSMBOX: Herr Fenyves, wie weit sind wir mit UMTS?

Alessandro Fenyves: Einerseits hat die Entwicklung des UMTS einen wirklich zufriedenstellenden Grad erreicht. Hinsichtlich der kommerziellen Einführung liegen wir, zumindest im Westen, im Zeitplan ein wenig zurück. Wie bekannt, konnte bereits im vergangenen Oktober in Japan das erste System der dritten Generation gestartet werden. In Europa werden wir wohl noch im laufenden Jahr mit den ersten Services rechnen können. So wurden unter anderem in Deutschland und Italien bereits einige Tests durchgeführt, um sich auf die 3G vorzubereiten. Die Tests von TIM (Telecom Italia Mobile, einer der italienischen Mobilfunkbetreiber; A.d.R.) in Padua, die auf den Technologien von Siemens und NEC basierten, gehören zu den fortschrittlichsten in Europa. Hier wurden eine komplette Struktur sowie ein vollständiges Core-Netzwerk und Zugangssysteme aufgebaut. All das kompatibel mit dem 3GPP-Standard. Auch H3G hat in Italien einen ambitionierten Entwicklungsplan aufgestellt, der unter anderem die Installation tausender Netzwerkknoten, noch in diesem Jahr, vorsieht.

GSMBOX: Wann fällt der Startschuss für die 3G? Warum wird der Start immer wieder verschoben?

A. Fenyves: Die Verzögerungen der 3G sind vor allem auf drei Ursachen zurückzuführen. Eine entscheidende Rolle spielt der Mangel an entsprechenden Endgeräten. Dann kommt noch hinzu, dass der Standard wirklich stabil sein muss, bevor man einen Service anbietet. Und schließlich spielt auch noch die gesamtwirtschaftliche Lage eine Rolle, dass sich die Einführung des UMTS verzögert.

GSMBOX: Die UMTS-Lizenzen haben die Betreiber ein Vermögen gekostet….

A. Fenyves: Vor zwei Jahren herrschte in der Branche noch ein enormer Enthusiasmus hinsichtlich der New Economy. Von Seiten der kleinen und großen Unternehmen wurden enorme Investitionen getätigt, nur um sich eine Lizenz zu sichern. In einigen Ländern ging man die Lizenzvergabe jedoch ein wenig vorsichtiger an.

GSMBOX: …werden die User das zu spüren bekommen?

A. Fenyves: Das UMTS-Forum sieht eine gewisse Verzögerung hinsichtlich der Einführung vorher, was den Massenmarkt betrifft. Doch die ersten Ergebnisse werden schon bald sichtbar sein. Das eigentliche Problem ist, dass es bisher noch zu keiner echten Aufklärung der User kam, was eigentlich angeboten werden soll und wie die neuen Services aussehen werden. Dabei handelt es sich um einen schwerwiegenden Fehler der Betreiber, aber auch unserer Organisation, dem UMTS-Forum. Ich denke, um die neuen Mobilservices zu starten, muss man alles noch sehr viel einfacher und praktischer gestalten sowie vor allem ökonomisch attraktiver machen.

GSMBOX: Könnte dies auch der Grund der Flops mit WAP und GPRS sein?

A. Fenyves: Für den Endkunden bedeutet WAP wenig oder nichts. Das könnte durchaus auch der Name einer Popband oder einer Jeansmarke sein. Nur wenige wissen, dass es sich dabei um das Wireless Application Protocol handelt. Und GPRS ist ebenso exotisch. Die Technologie ist doch noch viel zu komplex. Praktisch oder einfach ist hier so gut wie nichts. Der Enduser braucht einen “freundlichen” Service, den nicht nur die Technikfreaks verstehen.

GSMBOX: Welche Rolle spielt das UMTS-Forum im Rahmen dieser Kampagne?

A. Fenyves: Das UMTS-Forum hat sich im Laufe seines Bestehens einige Ziele gesteckt. Ursprünglich ging es darum, die Verwalter und Betreiber der 3G “aufzuklären”, ein angemessenes Frequenzspektrum zu erhalten sowie Beratung hinsichtlich der Regelungen und der Lizenzvergabe anzubieten. Später weitete sich das Ziel dahingehend aus, dass alle Beteiligten “aufgeklärt” werden müssten. Heute geht es vor allem darum, den Enduser “aufzuklären”.

GSMBOX: Nicht das gesamte mobile Internet hat sich als Flop erwiesen. Dabei brauchen wir nur an iMode zu denken. Was können wir aus dem japanischen Modell lernen?

A. Fenyves: In Europa haben wir uns entschieden, wie bereits in anderen Situationen auch, auf relativ weit entwickelte Dinge zu setzen und dachten oft bereits an einen “Standard”, ohne die konkreten und praktischen Aspekte mit einzubeziehen. Dies hat uns unter anderem dazu gebracht, Technologien wie WAP zu entwickeln und einige Erwartungen der User zu enttäuschen. Die Japaner haben hingegen darauf gesetzt, einen einfachen und direkten Internetzugang zu entwickeln, um kostenlos eine ganze Reihe an Anwendungen, die bereits erfolgreich und verfügbar waren, anzubieten. Die derzeit rund 30 Millionen iMode-User in Japan stehen nun vor dem FOMA, der japanischen 3G, in die sie nach und nach alle migrieren werden, da sie dort die gleichen Anwendungen und Services finden, an die sie sich bereits gewohnt haben, nun aber, dank der Technologie der dritten Generation, schneller und flexibler genutzt werden können.

GSMBOX: Und UMTS wie wir es auf dem 3GSM World Congress gesehen haben…..

A. Fenyves: Die großen Hersteller sind dabei die UMTS-Systeme zu errichten. Zahlreiche Betreiber sind bereits in fortgeschrittenen Versuchsphasen. Man könnte sich vielleicht mehr erwarten. Ich denke jedoch, dass wir derzeit immer noch die Schulden einer unerwarteten Krise abtragen. Doch was ich hier auf dem 3GSM Word Congress sehen konnte, stimmt mich optimistisch.

Das Interview führte GSMBOX-Redakteurin Marina Paris

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